Liest man sich das Reformpaket durch, hat man sehr schnell das Gefühl, dass dort mit zwei Sprachen gesprochen wird. Eine Sprache für direkte Änderungen und eine andere für solche Änderungen, die geplant sind und von denen man weder ausgehen sollte, dass sie kommen, noch dass sie so kommen wie sie formuliert sind. Gehen wir mal die Punkte durch:
Entlastung für Familien und kleine und mittlere Einkommen
Eine schöne Sache. Auch wenn 600 Euro im Jahr bei der nächsten Erhöhung von Miete, Strom, Benzin oder beliebigen anderen „Nebenkosten des Lebens“ ziemlich schnell in Rauch aufgegangen sein werden, versucht man wenigstens, den Familien Gutes zu tun. Problematisch ist nur: Seit Corona ist das Leben generell teurer geworden. Unter den Kosten leiden also alle, aber entlastet werden nur wenige.
Krankmeldungen ab dem 1. Tag und keine telefonische Krankschreibungen mehr
Telefonisch krank habe ich mich persönlich noch nie schreiben lassen. Aber was selten vorkommt ist, dass ich morgens mit Magenschmerzen, Durchfall oder Erbrechen aufwache und dann einen Tag im Bett bleibe, um am Folgetag wieder alles geben zu können. Jetzt werde ich mich bereits am ersten Tag zum Arzt quälen und nicht nur dafür sorgen, dass ich alle anderen Patienten grundsätzlich einer Ansteckungsgefahr aussetze, sondern auch im Wartezimmer möglichweise schmerzverzerrt ausharre, bis mein Artz, den ich ja ohne Termin aufsuchen musste, Zeit dafür hat, mich zu sehen. Zudem werden viele wahrscheinlich arbeiten, obwohl sie krank sind, Kollegen im Büro anstecken, ihre eigene Gesundheit massiv beeinträchtigen. Wie dumm kann eine Regierung sein, um so etwas zu entscheiden. Die Folgen sind offensichtlich: Deutlich höheres Praxisaufkommen, erheblich höhere Gefahren für andere Patienten und Kollegen und Beeinträchtigungen der eigenen Gesundheit. Das wird die Produktivität nicht steigern, sondern dauerhaft senken.